Ein geheimnisvolles Bild

Eine Kurzgeschichte
Das alte Foto
Das alte Foto

Ich fand dieses Foto gerade in einem alten Buch…

Sofort kam es mir bekannt vor, doch wo war diese Mauer? Es machte mir Angst! Wo hatte ich dieses Gebäude schon einmal gesehen??? 

Nachdem ich eine Nacht versucht hatte darüber zu  schlafen, ging ich zu meiner Großmutter. Irgendwie hatte ich die ganze Zeit an sie in Zusammenhang mit diesem Foto gedacht.

Sie erschrak, als ich das Bild der Mauer auf den Tisch legte.

Ganz zitterig waren ihre Hände beim Kaffee eingießen, etwas verschüttete sie sogar.

“Ja, Kind, weißt Du es denn nicht? Hier an dieser Mauer ist doch mein Vater, dein Urgroßvater, gestorben! Du bist bestimmt schon an ihr vorbeigekommen, sie ist doch im Nachbarstädchen hinter der alten Näherei.” fing sie an. “Es war in den letzten Kriegstagen. Der Krieg war verloren. Jeder wußte es , doch sagen durfte man das natürlich nicht laut.– Wir warteten auf unsere Befreier. In unserem Fall sollten das die Engländer sein. “

Ich war ganz sprachlos, mit einer Geschichte aus dem Krieg hatte ich nun nicht gerechnet.

“Kind, du weißt doch, mein Vater war Handwerksmeister und hatte ein sehr großes altes Haus. Was kaum jemand wußte, da gab es eine kleine geheime Kammer, ganz hinten in der Werkstatt. Das was nur der engsten Familie bekannt. Dort hatte er seit der Judenverfolgung einen Mann versteckt. Du mußt dir mal vorstellen, wie schwer das gewesen sein muß, ein Mensch muß ja auch versorgt werden. Keiner durfte es merken. Meine Mutter wußte es natürlich, war aber zu krank um zu helfen. Sie starb ja im letzten Kriegswinter… es war ein schlimmer Tod. Es gab keine Ärzte, kaum noch Medikamente, das Essen war sehr knapp… es war sehr schlimm.”

Ich sah Tränen in ihren Augen. “Aber mein Vater hat immer weiter diesen  Mann versteckt und sich um ihn gekümmert. Vor allem Nachts hat er ihm Gesellschaft geleistet, damit er sich unterhalten konnte… Sie haben leidenschaftlich gerne Schach zusammmen gespielt. Wie auch immer, irgendwie kam es heraus. Meinen Vater haben sie abgeholt, das halbe Haus auseinandergenommen, bis sie diesen armen Mann endlich fanden.”

Meine Großmutter war sichtlich erschöpft und und wollte sie schon bitten nicht mehr weiter zu erzählen.

“Nein, nein, jetzt möchte ich dir auf jeden Fall noch den Rest erzählen. Wer weiß, ob wir beide noch einmal dazu kommen. Mein Vater wurde zum Tode verurteilt. Kein ordentliches Gericht sprach das Urteil, aber das gab es in den Kriegswirren der letzten Tage ja oft. So stand er Seite an Seite mit dem Juden an der Mauer, man sie sie beide erschossen.”

Tränen strömten meiner Großmutter übers Gesicht, auch ich war sehr traurig. Das hatte ich noch nie gehört. darüber war in der Familie noch nie  gesprochen worden.

“Wo diese beiden Männer beerdigt wurden, haben wir nie erfahren. Man sagte uns , man hätte sie verbrannt. Später hieß es, sie seinen in ein Massengrab gekommen.

Aber einige Jahre nach dem Krieg räumte man das Gelände hinter der Mauer. Da lagen die Trümmer der alten Fabrik, mehrere Bombentreffer hatte sie abbekommen… und unter den Trümmern fanden sich mehrere Leichen… Ich glaube, daß sie da meinen Vater auch verscharrt hatten. Es hat nie ein richtiges Grab für ihn gegeben.”

Mich hat diese Geschichte sehr bewegt, und ich habe es nie vergessen, wie meine Großmutter weinte, als sie von ihrem ermordeten Vater sprach.

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4 Kommentare

  1. Eine wunderbare Geschichte, hast Du sie komplett erfunden, oder hat sie einen wahren Kern?

    Es war eine furchtbare Zeit damals.

    Glücklicherweise habe ich sie nicht miterlebt, aber einiges Erlebtes hab ich von meiner Familie gehört.

    Bin gespannt auf mehr (wie Du ja andeutest!)

    Hm, vielleicht versuch’s ich auch mal.

    Mein Vater hat sogar eigene, handschriftliche Aufzeichnungen, in Kurrentschrift, hab eh schon gesagt, da sollten wir ein Buch draus machen …

    Antwort
    • Follygirl

       /  28. Februar 2010

      Ja, komplett erfunden.
      Aber viel mit der Zeit beschäftigt, einiges in der Familie gehört und auch einige Filme(auch Dokumentationen) dazu gesehen.

      Was die anderen alten Geschichten angeht…da bin ich selber noch gespannt. Einige Bilder habe ich schon auf “alt” getrimmt..(wie auch das Bild zu dieser Geschichte… das ist (eigentlich)die Mauer des Klosters in Wiedenbrück).

      Würde mich sehr interssieren, wenn Du auch schreibst.
      Liebe Grüße, Petra

      Antwort
  2. Noch ist die Zeit nicht reif, mal sehen …

    Antwort

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